Foto: Ludwig Baum,
Zoo Krefeld
 
 
Aus der Praxis

28. April 2009

Wenn Hunde alt werden

Zuerst die gute Nachricht. Auch Hunde werden älter. Hunde werden heute im Durchschnitt 12.2 Jahre alt (1982 noch 9.5 Jahre), wobei viele Tiere dieses Alter noch um einiges überbieten. Grund für die steigende Lebenskurve ist eine allgemein bewußtere Tierhaltung und Fütterung. Trotz von der Politik aufgebauter Hürden und kommunalen Desinteresse (Leinen- und Maulkorbzwang, nicht ausreichend ausgewiesene Auslaufflächen) erhalten Hunde heute regelmäßig Auslauf, werden sinnvoll beschäftigt und liebevoll gepflegt.

Hinzu kommen noch die verbesserte Fütterung und die auf einem hohen Niveau stehende tiermedizinische Versorgung. Durch eine intensive Impfprophylaxe spielen verlustreiche und damit lebenszeit-begrenzende Seuchen heute keine Rolle mehr. Die Lebenserwartung von Hunden hängt von verschiedenen Faktoren ab:
  • Hunde kleinerer Rassen haben eine höhere Lebenserwartung als große Hunde
  • Mischlinge werden statistisch gesehen älter als Rassehunde vergleichbarer Größe
  • Rüden und Hündinnen haben eine gleichgroße Lebenserwartung
  • Kastrierte Hunde leben im Durchschnitt 1 Jahr länger als nicht-kastrierte Tiere
  • Schlanke Hunde leben länger als Hunde mit Übergewicht
  • Hunde im ländlichen Umfeld haben eine höhere Lebenserwartung als Stadthunde
Das Altern ist ein natürlicher Vorgang und nicht mit einer Krankheit gleichzusetzen. Der Übergang von Erwachsenen-Alter zum Senioren-Alter erfolgt fließend. Für den Hundehalter ergeben sich zwei Anhaltspunkte, um sich auf das beginnende Seniorenalter einzustellen:

1. Der Vergleich des Hundalters mit dem Menschenalter (vgl. nachfolgende Tabelle) und 2. Die typischen Veränderungen des Hundes im Aussehen und Verhalten.

Offensichtliche Hinweise auf Beginn des Alterns sind graue Haare um Schnauze und Augen sowie Wesensveränderungen. Der Hund wird ruhiger und gelassener, sein Schlaf- und Ruhebedürfnis nimmt zu, sein Bewegungsdrang ab. Die Motivation für Spiel, Aktivität und soziale Kontakte mit Menschen und Hunden sind reduziert.

Auch wenn ältere Hunde sich noch gut an neue Situationen anpassen können, scheint es, als ob sie Erlerntes vergessen haben oder Neues nicht mehr umsetzen wollen. Geringfügige Abweichungen im Tagesablauf bringen den Hund aus der Fassung. Zum Beispiel trinkt er nicht aus der Wasserschüssel, die einen Meter von ihrem normalen Platz entfernt steht oder läuft unruhig herum, wenn die normale Schlafenszeit erreicht ist und Frauchen und Herrchen noch auf sind.

Andere Hunde werden im Alter ängstlicher oder besonders anhänglich, wieder andere ziehen sich zurück und sind nicht mehr so folgsam wie in jungen Jahren. Häufig vermindert sich im Alter das Seh- und Hörvermögen. Der Hund neigt dazu mit fortschreitendem Alter dicker zu werden, da die Muskelmasse verloren geht und durch Fett ersetzt wird. Andere Hunde bekommen Arthrose oder ein Altersherz, die die beschriebenen Wesensveränderungen verstärken oder verursachen.

Alte, bereits senile Hunde scheinen keinen Begriff mehr davon zu haben, wo sie mit ihrem Körper vorbei- oder durchkommen und wo nicht. Zum Beispiel parken sich alte Hunde oft stundenlang in engen Winkeln oder Spalten ein oder bestehen auf ein Durchkommen, wo es keines gibt. Auf Spaziergängen findet der Hund nicht mehr nach Hause oder will auf vertrauten Wegen falsch abzweigen. Unsauberkeiten im Haus treten auf. Familienangehörige werden plötzlich nicht mehr erkannt oder verbellt.

Desöfteren kann man einen Verlust des Sättigungsgefühls beobachten. Der Hund vergisst offensichtlich, dass er gerade gefressen hat und steht neuerlich vor der Futterschüssel. Zielloses und orientierungsloses Umherwandern mit oder ohne verzögerte Reaktion auf Zuruf treten auf. Gerade solche psychischen Veränderungen sind in den letzten Jahren verstärkt in das Blickfeld der tiermedizinischen Forschung und Diagnostik geraten. Einige Tierärzte haben sich auf die Behandlung geriatrischer (Alters-) Patienten spezialisiert.

Das Risiko für bestimmte Erkrankungen steigt im Alter an. Deshalb müssen ältere Hunde regelmäßig zu einem Senioren- oder geriatrischen Scheck bei ihrem Haustierarzt vorstellig werden. Begonnen werden sollte damit bei kleinen Hunderassen spätestens ab dem 10. Lebensjahr, bei Hunden mittlerer und großer Rassen ab dem 7. Lebensjahr und bei Riesenrassen bereits mit dem 6. Lebensjahr. Anfänglich reicht es aus 1 x jährlich zu untersuchen, später alle ½ Jahre.

Sie selbst sollten ihren Hund aufmerksam im Alltag beobachten, ihn regelmäßig impfen lassen und entwurmen. Der Tierarzt wird ihren Hund klinisch untersuchen, Laboruntersuchungen durchführen, notwendige Medikamente anwenden und sie beraten. Beratungsbedarf ergibt sich auf den Gebieten altersgerechte und ausgewogene Fütterung, Zahnhygiene, chronische Erkrankungen, Pflege, angepasste Bewegung und Physiotherapie. Je gewissenhafter der Hundehalter sich um seinen alternden Hund kümmert, desto größer ist die Chance, dass der Hund auch im Alter gesund bleibt.(Wird fortgesetzt)

Dr. U. Jacobi


Tabelle: Wie alt ist mein Hund im Vergleich zu „Menschenjahren“? (PDF) PDF_12_Tabelle-Hunde-Menschalter.pdf (15 KB)


 




 
  [Scheifenkamp 15 | 40880 Ratingen | Tel: 02102 / 44 88 88 | Fax: 02102 / 44 90 70]
© 2007 presse-punkt.de